Lebensversicherung kündigen

Steuern und Sozialabgaben werden häufig unterschätzt

Die Zahl der Lebensversicherungen, welche vor Laufzeitende gekündigt werden, ist eine Dunkelziffer. Die Versicherungswirtschaft gibt zwar jedes Jahr die Stornoquote bekannt, diese ist jedoch nur bedingt aussagekräftig. Diese Kennziffer setzt das Beitragsvolumen der gekündigten Verträge in Relation zum Beitragsvolumen der Neuabschlüsse. Interessanter wäre aber die tatsächliche Anzahl der stornierten Verträge. Experten gehen von einer Größenordnung zwischen 30 und 60 Prozent aus.

Bei einer Kündigung greifen zwei unterschiedliche steuerliche Tatbestände

Mit der Einführung des Alterseinkünftegesetzes (AEG) zum 1. Januar 2005 wurde die Welt der Lebensversicherer auf den Kopf gestellt. Für Verträge mit einem Abschlussdatum vor dem 1. Januar 2005 galt das Steuerprivileg. Unsere nachfolgende Infografik zeigt die steuerlichen Auswirkungen der Kündigung einer Lebensversicherung nach alter und neuer Regelung:

Infografik zu den Steuern und Abgaben, die bei Kündigung einer Lebensversicherung fällig werden

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Die Altregelung

Das Steuerprivileg bedeutete, dass die Auszahlung aus dem Vertrag komplett steuerfrei war, wenn folgende Kriterien erfüllt wurden:

  • Mindestlaufzeit zwölf Jahre
  • Mindestbeitragszahlungsdauer fünf Jahre
  • Verträge ab 1996 mussten eine Todesfallleistung von 60 Prozent der Beitragssumme aufweisen.

Mitte der neunziger Jahre betrug der Garantiezins noch vier Prozent, bis zum Jahr 2003 noch 3,25 Prozent. Kein Wunder, dass Lebensversicherungen mit steuerfreier Auszahlung auch als Geldanlage hoch attraktiv waren.

Die Neuregelung

Mit dem 1. Januar 2005 hat sich allerdings einiges geändert. Die Erträge aus Lebensversicherungen werden zum Ablaufzeitpunkt nach zwei Methoden besteuert. Entweder greift die Besteuerung für den vollen Ertrag mit 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Alternativ erfolgt die Besteuerung auch nach dem Halbeinkünfteverfahren. In diesem Fall wird nur die Hälfte der Erträge, jedoch mit dem vollen persönlichen Steuersatz, belegt. Berücksichtigung findet allerdings der Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro bei Alleinstehenden und 1.602 Euro bei Verheirateten. Weitere Werbungskosten können nicht in Abzug gebracht werden.

Für die Besteuerung nach dem Halbeinkünfteverfahren müssen aber auch gewisse Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Mindestlaufzeit muss zwölf Jahre betragen.
  • Verträge mit Abschlussdatum bis 31.12.2011 müssen mindestens bis zum Alter 60 der versicherten Person laufen.
  • Verträge mit Abschlussdatum ab dem 1.1.2012 sehen eine Mindestlaufzeit bis zum 62. Lebensjahr vor.
  • Die Todesfallleistung muss mindestens 60 Prozent der gesamten Beitragssumme ausmachen.

Die Versicherer führen automatisch die Abgeltungssteuer bei Auszahlung an die Finanzbehörden ab. Wer sich als Begünstigter mit der Individualversteuerung besser stellt, muss die Rückzahlung der zu viel abgeführten Steuern im Rahmen der Anlage KAP zur Steuererklärung einfordern.

Diese beiden Sachverhalte greifen auch bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung. Wer am 31.12.2004 noch eine Police zeichnete, konnte diese frühestens zum 1. Januar 2017 vorzeitig steuerunschädlich auflösen. Bei Vertragsabschluss nach dem 31.12.2004 ist eine Besteuerung nach dem Halbeinkünfteverfahren ebenfalls erstmalig Anfangs 2017 möglich, sofern der Begünstigte zu diesem Zeitpunkt das 60. Lebensjahr vollendet hat.

Besteuerung bei Verrentung

Kapitallebensversicherungen bieten und boten in aller Regel die Option, den Vertrag bei Vertragsende zu verrenten. Unter steuerlichen Gesichtspunkten macht dies einen großen Unterschied. Eine Rentenzahlung wird mit dem Vertragsanteil besteuert, der sich in der Höhe nach dem Eintrittsalter des Begünstigten bei Rentenbeginn richtet.

Auszug aus der Ertragsanteilstabelle
Alter bei Rentenbezug Ertragsanteil
50 30%
51 bis 52 29%
53 28%
54 27%
55 bis 56 26%
57 25%
58 24%
59 23%
60 bis 61 22%
62 21%
63 20%
64 19%
65 bis 66 18%
67 17%

Die Besteuerung erfolgt in zwei Schritten. Angenommen, die Rente beträgt 1.000 Euro im Monat, der Rentenbeginn erfolgt zum 65. Lebensjahr des Begünstigten. Der Ertragsanteil beträgt 18 Prozent, der steuerpflichtige Anteil der Rente somit 180 Euro. Grundlage für die Besteuerung ist der persönliche Steuersatz. Beläuft sich dieser auf 30 Prozent, fallen auf 1.000 Euro Rente 60 Euro Steuern an.

Bezüglich der Sozialabgaben, sprich Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge gelten die gleichen Regelungen wie bei Lebensversicherungen. Diese Regelungen erläutern wir im folgenden Abschnitt.

Exkurs: Die Sozialversicherung – häufig unterschätzter Kostenfaktor

Nicht nur betriebliche Altersversorgungen werden zur Ermittlung des Krankenkassenbeitrages herangezogen. Betroffen von dieser Regelung sind Rentner, die in der Ersatzkasse freiwillig versichert sind. Dieser Personenkreis muss auf die Leistung aus der Lebensversicherung Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge leisten. Mitglieder einer privaten Krankenversicherung und Pflichtversicherte fallen nicht unter diese Regelung. Bei Bezug einer Leistung aus einer betrieblichen Altersversorgung fallen für Ersatzkassenmitglieder allerdings generell Beiträge zur Krankenversicherung an.

Die 120stel Regelung

Angenommen, ein freiwillig versichertes Mitglied einer Ersatzkasse erhält eine Leistung von 120.000 Euro aus seiner Lebensversicherung ausgezahlt. Die Beitragsberechnung wird nun nach der 120stel Regelung vorgenommen. Die Auszahlungsleistung wird durch 120 (10 Jahre à 12 Monate) geteilt. Damit erhöht sich das beitragspflichtige Einkommen des Begünstigten für die Dauer von zehn Jahren um monatlich 1.000 Euro. Bei einem Beitragssatz von 15,7 Prozent für die Krankenkasse und 2,35 Prozent für die Pflegeversicherung bedeutet dies eine Verteuerung des Beitrages um 159,35 Euro monatlich. Die gleiche Berechnungsgrundlage greift auch für die Bezieher einer Firmenrente.

Zurueck zum Thema Kuendigung – ist dies eine sinnvolle Loesung?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es immer die gleichen Gründe sind, die einen Versicherungsnehmer dazu motivieren, den Vertrag vorzeitig aufzulösen:

  • Liquiditätsbedarf
  • Unzufriedenheit mit der Entwicklung seiner Geldanlage
  • Wegfall des Bedarfs

Kündigungen von Lebensversicherungen wollen wohlüberlegt sein. Je früher die vorzeitige Vertragsauflösung erfolgt, um so größer ist der Verlust. Die anfänglichen Beitragszahlungen finden zum größten Teil für die Einrichtungs- und Verwaltungskosten sowie die Abschlussprovision für den Vermittler Verwendung. Nur ein kleiner Teil wird zu Beginn tatsächlich dem Versicherungsvertrag des Kunden gutgeschrieben.

Entwicklung von Beitragssumme, Rueckkaufswert und Todesfallleistung

Am Anfang der Vertragslaufzeit wird sich der Rückkaufswert des Vertrages, das tatsächlich im Vertrag enthaltene Guthaben deutlich unterhalb der Summe der eingezahlten Beiträge bewegen. Dieser Zeitraum fällt um so länger aus, je länger die Vertragslaufzeit vereinbart wurde.

Entwicklung von Beitragssumme, Rückkaufswert und Todesfallleistung einer Lebensversicherung
Darstellung der Entwicklung einer Lebensversicherung im Zeitverlauf
Laufzeit in Jahren Rückkaufswert Todesfallleistung Beitragssumme
0 1200
1 48 61706 2400
2 542 61798 3600
3 1618 61929 4800
4 2772 62104 6000
5 4012 62327 7200
6 5343 62603 8400
7 6772 62938 9600
8 8304 63337 10800
9 9949 63807 12000
10 11714 64356 13200
11 13622 64990 14400
12 15672 65719 15600
13 17874 66552 16800
14 20239 67499 18000
15 22779 68569 19200
16 25507 69776 20400
17 28438 71130 21600
18 31588 72645 22800
19 34973 74336 24000
20 38610 76218 25200
21 42522 78308 26400
22 46730 80623 27600
23 51256 83185 28800
24 56127 86013 30000
25 61370 89130 31200
26 71572 92561 32400
27 77965 96334 33600
28 84838 100472 34800
29 92230 105012 36000
30 100181 109985 37200
31 108738 115427 38400
32 117950 121376 39600
33 127874 127874 40800
34 138003 138003 42000
35 148846 148846 43200
36 160453 160453 44400
37 172876 172876 45600
38 186174 186174 46800

Quelle: Versicherungsausbildung.de

Die seit Jahren historisch niedrigen Zinsen tun ihr Übriges, dass nicht mit einem schnellen Anwachsen des Vertragsguthabens zu rechnen ist. Der Rückkauf ist in der Regel mit Verlusten verbunden. Es stellt sich Frage, welche Lösungen sich anbieten, auch um der Versteuerung zu entgehen.

Das Policendarlehen

Das Policendarlehen, auch wenn der Name den Begriff „Kredit“ impliziert, ist kein Kredit im klassischen Sinn. Ein Policendarlehen empfiehlt sich, wenn der Versicherungsnehmer schlicht kurzfristigen Geldbedarf hat. Bei diesem „Darlehen“ erhält der Versicherungsnehmer eine diskontierte Ablaufleistung in Höhe des vorhandenen Rückkaufswertes, also faktisch sein eigenes Geld.

Vor diesem Hintergrund werden Policendarlehen ohne Bonitätsprüfung zur freien Verwendung zur Verfügung gestellt. Für den diskontierten Betrag zahlt der Versicherungsnehmer einen Zinssatz. Die geleistete Vorauszahlung kann er durch erhöhte Beiträge oder Einmalzahlungen zurückführen, muss aber nicht.

Policendarlehen sind gerade für Selbstständige, Solounternehmer, eine Lösung, wenn es darum geht, ein Darlehen aufzunehmen. Nach wie vor halten sich viele Banken bei der Vergabe von Ratenkrediten an Selbstständige sehr bedeckt. Dennoch geht es ihnen nicht anders als Angestellten, das Auto geht kaputt oder das Dach muss neu gedeckt werden, auch wenn das Ersparte dafür nicht ausreicht.

Der Verkauf einer Lebensversicherung

In Deutschland hat sich, analog zu den angelsächsischen Ländern, inzwischen ein Zweitmarkt für Lebensversicherungen entwickelt. Einige auf den Ankauf von Lebensversicherungen spezialisierte Unternehmen bieten den Käufern in der Regel einen Preis, der über dem Rückkaufswert liegt. Allerdings sollten sich Versicherungsnehmer hier keinen Illusionen hingeben. Das Angebot seriöser Aufkäufer beträgt in der Regel zehn bis 15 Prozent mehr als das, was der Versicherer auszahlen würde.

Der Vorteil bei einem Verkauf der Lebensversicherung besteht darin, dass der Versicherungsschutz weiterhin erhalten bleibt. Bei der Besteuerung gilt es allerdings, drei Sachverhalte zu beachten:

  • Datiert der Vertragsabschluss vor dem 1. Januar 2005, fällt auch bei einem Verkauf keinerlei Steuerlast an.
  • Wurde der Vertrag nach dem 31.12.2004 geschlossen, muss der Verkäufer auf die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und den von ihm entrichteten Beiträgen 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer entrichten. Sozialabgaben fallen keine an.
  • Übersteigt die Summe der gezahlten Beiträge den Kaufpreis, fallen auch für Verträge nach dem 31.12.2004 keine Steuern an.

Es ist also ein Rechenbeispiel, ob der Verkauf am Ende mit Gewinn über die Bühne geht oder durch die Besteuerung letztendlich zu einem Verlustgeschäft wird. In diesem Fall empfiehlt sich wiederum das Policendarlehen.