Lebensversicherungen kündigen

Kapitallebens- und Rentenversicherungen, ebenso wie fondsgebundene Versicherungslösungen, galten und gelten immer noch als das liebste Mittel der Deutschen für die Altersvorsorge. Vertragsdauern von 25, 30 oder mehr Jahren sind daher keine Seltenheit.

Fakt ist aber auch, dass nicht alle Verträge ihr Ablaufdatum erleben. Die Aussagen über die Anzahl der vorzeitigen Vertragsauflösungen schwanken, die Rede ist von bis zu 60 Prozent. Die Zahl der jährlich stornierten Verträge in Relation zum Gesamtbestand betrug im Jahr 2008 beispielsweise vier Prozent, im Jahr 2012 3,48 Prozent (Quelle: Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft).

Die häufigsten Gründe für eine vorzeitige Vertragskündigung sind Liquiditätsbedarf oder Unzufriedenheit mit der Vertragsentwicklung. Der letzte Grund findet sich häufig bei kapitalgebundenen, also klassischen Verträgen.

Verbraucher, die ihre Lebensversicherung kündigen möchten, sollten sich aber im Vorfeld gründlich informieren, ob eine Kündigung tatsächlich sinnvoll ist. Gerade, wenn der Vertrag der Hinterbliebenenversorgung dient oder eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung eingeschlossen ist, kann eine Kündigung nur der zweitbeste Lösungsweg sein.

Rechtliche Neuerungen im Fall der Kündigung einer Lebensversicherung

Dazu kommt noch ein weiterer Faktor. Bevor Sie als Versicherungsnehmer Ihre Lebensversicherung kündigen, prüfen Sie die Rechtslage. Der Gesetzgeber hat seit dem 1. Januar 2005 einschneidende Änderungen bei der Besteuerung, auch bei Auflösung vor Vertragsablauf vorgenommen.

Folgende Punkte gilt es, vor der Kündigung zu prüfen:

  • Kann ich den Risikoschutz anderweitig aufrechterhalten?
  • Wann habe ich meine Versicherung abgeschlossen?
  • Wann endet der Vertrag?
  • War die Widerrufsbelehrung korrekt?
  • Was ist mit der betrieblichen Altersversorgung?
  • Lässt sich die Police wirtschaftlich sinnvoll beleihen?
  • Kann ich die Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt verkaufen?

Wir wollen auf diese Aspekte im Einzelnen detailliert eingehen und Ihnen die notwendige Hilfestellung bei der Entscheidung geben, ob Sie Ihre Lebensversicherung kündigen oder eine andere Alternative wählen sollten.

Meistens ist eine Beleihung der Police der wirtschaftlich sinnvollere Weg

Der Risikoschutz – wie kann ich ihn fortführen?

Im Gegensatz zu einer Risikolebensversicherung, die eine reine Risikoabsicherung bedeutet, dienen Kapitallebensversicherungen oder fondsgebundene Lebensversicherungen auch dem Kapitalaufbau. Bis zur verstärkten Verbreitung von Leibrentenversicherungen Ende der 80er Jahre griffen auch Singles ohne Versorgungsbedarf Dritter auf Lebensversicherungen zurück.

Es war also nicht immer der Versicherungsschutz für andere die Grundlage für den Abschluss einer Lebensversicherung. Wer jedoch in den letzten 20 Jahren eine Lebensversicherung zeichnete, hatte in der Regel auch die Hinterbliebenenabsicherung im Kopf. Diese Absicherung entfällt, sobald Sie Ihre Lebensversicherung kündigen.

Gleiches gilt natürlich auch, falls eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Bestandteil des Vertrages ist. Besteht eine Notwendigkeit für diese Absicherung, bleibt die Prüfung, ob sie adäquater Weise durch einen Neuabschluss sichergestellt werden kann.

Da sich die Beiträge jedoch auch am Alter orientieren, ist es eher unwahrscheinlich, dass in diesem Fall eine Einsparung erfolgt. Für die Fortführung der Risikoabsicherung bieten sich zwei Optionen:

  1. Eine Beitragsfreistellung des Vertrages bedingt, dass zum einen das vorhandene Kapital weiter verzinst wird und zum anderen die Todesfall- respektive Berufsunfähigkeitsabsicherung in der Höhe, welche den bislang entrichteten Beiträgen entspricht, weiter fortbesteht. Der Nachteil an dieser Lösung besteht darin, dass die Risikoabsicherung geringer ausfällt, als bei einer Fortführung der Beitragszahlung.
  2. Die zweite Alternative zur Kündigung der Lebensversicherung bietet der Verkauf. Es gibt in Deutschland inzwischen einen Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Unternehmen kaufen bestehende Lebensversicherungspolicen und führen dann die Beitragszahlung fort. Ihr Profit liegt in der Differenz zwischen dem Kaufpreis und der weiteren Wertentwicklung der Police. Die Risikoabsicherungen bleiben für die versicherte Person in aller Regel in voller Höhe erhalten!

Bevor Sie also Ihre Lebensversicherung kündigen, holen Sie sich unbedingt verschiedene Angebote aus dem Zweitmarkt ein. So stellen Sie auch künftig ohne Beitragsbelastung den Risikoschutz sicher.

Auf dem sog. Zweitmarkt bekommen Sie mehr als nur den Rückkaufswert'

Entscheidungshilfe: Lebensversicherung kündigen

Auch wenn die Grafik kompliziert anmutet, so bietet Sie doch einen schrittweise Anleitung, um sich dem Thema zu nähern. Starten Sie im obersten grauen Balken und folgen Sie dann den entsprechenden Pfeilen.

Ablaufdiagramm für Verkauf oder Kündigung einer Lebensversicherung

Wann habe ich meine Lebensversicherung abgeschlossen?

Dieser Frage kommt unter steuerrechtlichen und vertragsrechtlichen Gesichtspunkten eine besondere Bedeutung zu. Dabei spielen verschiedene Zeiträume eine Rolle:

  • Vertragsabschluss vor dem 1. Januar 2005
  • Vertragsabschluss zwischen 1. Januar 2005 und 31.12.2007
  • Vertragsabschluss nach dem 31.12.2007

Vertragsabschluss vor dem 1. Januar 2005

Bis zu diesem Stichtag galt für Lebensversicherungen das Steuerprivileg. Betrug die Vertragslaufzeit mindestens zwölf Jahre, war die Auszahlung komplett steuerfrei. Dies gilt auch für Verträge, die vor diesem Datum geschlossen wurden, und nach dem 1. Januar 2017 enden.

Dennoch gilt auch hier die Prüfung, ob zusätzlicher Risikoschutz im Falle einer Kündigung noch notwendig ist oder nicht.

Generell bleibt auch die Frage, ob die Summe der bis dahin eingezahlten Beiträge niedriger oder höher als der Rückkaufswert ausfällt. Übersteigt die Summe der gezahlten Beiträge den Rückkaufswert, machen Sie einen Verlust.

Unsere Empfehlung lautet, Verträge aus dieser Zeit auf keinen Fall zu kündigen. Zum einen erhalten Sie einen (heute nicht mehr möglichen) hohen Garantiezins. Zum anderen verlieren Sie die Steuerfreiheit auf die Ablaufleistung. Die optimale Lösung lautet, den Vertrag beitragsfrei zu stellen, wenn die Beitragsbelastung nicht mehr zu stemmen ist.

Soll darüber hinaus Liquidität geschaffen werden, kann die Beleihung der Police eine sehr lohnenswerte Alternative darstellen. Speziell in Zeiten niedriger Kreditzinsen.

Vertragsabschluss zwischen 2005 und 2007

Mit dem Wegfall des Steuerprivilegs und dem Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes (AEG) wurden auch die rechtlichen Vorschriften für die Widerrufsbelehrungen für Lebensversicherungsverträge neu gestaltet.

Lassen Sie im Zweifelsfall durch eine Verbraucherberatung klären, ob die Widerrufsbelehrung Ihres Vertrages korrekt ist. Falls nicht, können Sie vom Vertrag zurücktreten, ohne Ihre Lebensversicherung kündigen zu müssen.

Bei einer Kündigung erhalten Sie nur den Rückkaufswert abzüglich der Abgeltungssteuer. Bei einem Widerruf muss Ihnen der Versicherer die verzinsten Beiträge abzüglich der Beitragsanteile für die Risikoabsicherung zurückzahlen.

Der Widerruf zeigt sich als deutlich attraktiver gegenüber einer klassischen Kündigung. Stellt sich heraus, dass die Widerrufsbelehrung korrekt ist, orientieren Sie sich im weiteren Vorgehen an dem Sachverhalt, der für Verträge mit Abschluss nach dem 31.12.2007 beschrieben wird.

Eine Kündigung für diese Verträge vor dem Ablauf einer Frist von zwölf Jahren führt dazu, dass nicht das Halbeinkünfteverfahren greift, sondern alle Einkünfte aus dem Vertrag voll der Einkommensteuer unterliegen.

Beim Halbeinkünfteverfahren wird die Hälfte der Differenz von Auszahlungsbetrag und der Summe der eingezahlten Beiträge versteuert . Bei einer vorzeitigen Kündigung fällt die Steuer auf die komplette Differenz zwischen Auszahlungsbetrag und der Summe der Beiträge an.

Vertragsabschluss nach dem 31.12.2007

Seit dem Jahr 2008 stehen die Bewertungsreserven in der Diskussion. Im Grunde betrifft dies aber auch schon Verträge, die generell nach dem 31.12.2004 geschlossen wurden. Bislang galt der Sachverhalt, dass Versicherer die sogenannten Bewertungsreserven mit 50 Prozent bei Kündigung oder Vertragsende an die Versicherungsnehmer auszahlen mussten.

Bei den Bewertungsreserven handelt es sich um die erzielten, aber nicht realisierten Kursgewinne aus Wertpapieranlagen. Lebensversicherer investieren die Kundengelder in Form von Baufinanzierungen, aber auch in Wertpapiere.

Im Rahmen der Zinskrise, die auch den Lebensversicherern massiv zu schaffen macht, wurde die Forderung seitens der Assekuranzen, Versicherungsnehmer nicht mehr oder nur noch zu einem Bruchteil an den Bewertungsreserven zu beteiligen, inzwischen vom Gesetzgeber umgesetzt (Update zum **Text der Grafik).

Dieser Sachverhalt führt zu einem massiven Einschnitt beim Rückkaufswert oder der Ablaufleistung. Falls Sie Ihre Lebensversicherung kündigen möchten, müssen Sie diesem Aspekt ebenfalls ein besonderes Augenmerk widmen und folgende Punkte beachten:

  • Fordern Sie bei Ihrem Versicherer für einen in der näheren Zukunft liegenden Stichtag die Auskunft an, wie hoch der Rückkaufswert inklusive der Bewertungsreserven ausfallen wird und wie hoch die Summe der bereits gezahlten Beiträge liegt.
  • Fragen Sie auch ab, wie hoch die Ablaufleistung zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt ohne die Bewertungsreserven sein wird.

Aus der Antwort ergeben sich zwei Optionen, die wiederum einen unterschiedlichen Handlungsaspekt erfordern:

  1. Der Rückkaufswert fällt zum Zeitpunkt der Kündigung höher aus als die Summe der noch zu zahlenden Beiträge zuzüglich der Ablaufleistung ohne Bewertungsreserven. In diesem Fall können Sie sich mit der Kündigung durchaus Zeit lassen.
  2. Im zweiten Fall liegt der Rückkaufswert unter der Summe der noch zu zahlenden Beiträge zuzüglich der Ablaufleistung ohne Bewertungsreserven. In diesem Fall sind Sie gut beraten, zeitnah Ihre Lebensversicherung zu kündigen. Schlechtem Geld sollten Sie kein gutes hinterherwerfen.

Was ist mit der betrieblichen Altersversorgung?

Für eine betriebliche Altersversorgung (bAV) gelten besondere Bestimmungen, die eine Kündigung faktisch unmöglich machen. Häufig sehen die Versicherungsbedingungen von sich aus vor, dass eine arbeitnehmerfinanzierte bAV von Haus aus unkündbar ist.

Fehlt dieser Passus, wäre eine vorzeitige Vertragsauflösung fatal. Grundsätzlich könnte die Kündigung auch nur vom Arbeitgeber ausgesprochen werden, da dieser grundsätzlich, auch bei einer arbeitnehmerfinanzierten bAV der Versicherungsnehmer ist.

  • Die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung sind steuer- und sozialabgabenfrei.
  • Bei einer vorzeitigen Kündigung müssten sowohl eingesparte Lohnsteuer als auch Sozialabgaben nachentrichtet werden.
  • Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Summe der Nachzahlungen den Rückkaufswert übersteigt. Als Arbeitnehmer müssten Sie sogar noch zuzahlen, um den Vertrag vorzeitig aufzulösen.

Kündigung oder Wechsel?

Durch den bereits seit einem längeren Zeitraum anhaltenden Niedrigzins, ergibt sich für "Lebensversicherungs-Aussteiger" ein großer Vorteil. Die versichernden Unternehmen sitzen auf Milliardenreserven. Diese ergeben sich aus der Wertsteigerung ihrer alten und höher verzinsten Anleihen. Kommt es nun zum Ausstieg aus einer Versicherung durch einen Kunden muss der Versicherer den "Aussteiger" hälftig an den überschüssigen Reserven beteiligen.

Auf politischer Ebene findet deswegen aktuell eine "heiße Diskussion" statt, in welcher es um diese Regelungen geht. Denn was passiert, wenn bei einer Zinssteigerung diese Reserven wegfallen? Aktuell jedoch haben Versicherungsaussteiger gute Chancen auf die Beteiligung an den Finanz-Reserven.

Ob jedoch die Kündigung einer Police die cleverste Entscheidung ist, bleibt fragwürdig. Im Folgenden möchten wir Ihnen entscheidende Kriterien nennen, die gegen die vorschnelle Kündigung einer Police sprechen. Denn …

  • klar ist: bei einer Kündigung verliert der Versicherte gleichzeitig immer Geld. Nur der entsprechende Rückkaufswert wird bei einer Kündigung an den Kunden ausgezahlt.
  • umso eher der Kunde aus dem Versicherungsgeschäft aussteigt und eine Auszahlung wünscht, desto weniger wird er von seinem finanziellen Einsatz erhalten. Dies begründet sich durch die Tatsache, dass die Versicherer in den ersten fünf Jahren nach Abschluss der Police eine Vertriebsprovision abziehen, die nicht angelegt wird.
  • bei älteren Verträgen entstehen meist noch größere Verluste. Dazu ergingen in der Vergangenheit bereits einige Präzisierungen durch den Bundesgerichtshof bzgl. der Regeln für eine Mindestauszahlung. Jedoch mit dem Ergebnis, dass der Bundesgerichtshof entschied, dass Verluste, die etwas höher sind als 50 % der Einzahlung im Falle einer Kündigung legitim sind.
  • wer aussteigt, sollte sich seiner Sache sicher sein und nicht im Anschluss sofort einen neuen Vertrag abschließen wollen. Der kostspielige Vertrieb würde so auf ein Neues bezahlt werden müssen. Also nur der Kunde, der mit sehr großen Vorteilen rechnen kann, sollte von einem schlechteren auf einen besseren Vertrag umsteigen.

Gewiss muss sich der Versicherungsnehmer jedoch sein, dass seine Kündigung in einem solchen Fall wirklich meist nur dem Versicherer dient. Dieser muss nämlich teure Versprechen der Vergangenheit nicht mehr einlösen und kommt elegant aus den Vertragsbedingungen heraus. Dementsprechend sollte auf dem Königsweg nach alternativen Lösungen gesucht anstatt über eine Sofort-Kündigung nachgedacht werden.

Alternativvorschläge zur Kündigung

Eine Kündigung ist in den seltensten Fällen ein gutes Geschäft, vor allem nicht für den Vertragspartner, der diese veranlasst. Dies liegt nicht nur an den eventuell finanziellen Verlusten, sondern ebenso an der Tatsache, dass der Versicherungsschutz für Familie, Verwandte etc. aufgehoben ist.

Gekündigte Policen mit hohem Todesfallschutz sollten auf eine andere Weise nachgerüstet werden, vielleicht im Rahmen einer Risikolebenspolice, die nur im Todesfall in Kraft tritt. Ein weiteres Problem ergibt sich bei einem Neueinstieg in eine andere Police. Gerade Personen mit Vorerkrankungen finden u.U. keine geeignete Police mehr bzw. einen Versicherer, der sie vertraglich absichert.

Bei Risikolebensversicherungen wird den lebensgefährlichen Gesundheitsproblemen große Relevanz beigemessen. Durch den integrierten Risikoschutz kann es sein, dass der Erkrankte besser wegkommt, wenn er den eher unwirtschaftlichen Vertrag weiter bespart. Suchen Sie im besten Fall immer erst einmal nach Alternativen. Wir stellen Ihnen hier schon einmal einige favorisierte Alternativen vor:

  • Mit einer Beitragsfreistellung hat die Versicherung weiterhin Bestand aber man muss diese nicht kündigen und lässt sich auch den Rückkaufswert nicht auszahlen. Damit wird allerdings gleichzeitig auf den Todesfallschutz verzichtet und die Versicherungssumme reduziert sich. Die Stornogebühren werden vom Versicherer nicht abgezogen. Verwaltungsgebühren bleiben jedoch bis zum Vertragsende bestehen. Kunden, die ihre Familien anderweitig absichern und auf eine Auszahlung bisher verzichten können, können eine Freistellung als echte Option verstehen.
  • Außerdem gibt es die Möglichkeit, anstatt einer Policen-Kündigung, ein Police-Darlehen zu erhalten. Vom Versicherer wird an den Kunden ein Kredit ausgezahlt, die Lebensversicherung ist dann die finanzielle Sicherheit für den Versicherer. Auf dieses Angebot gehen Versicherer derzeit gerne ein, denn für sie bedeutet es in der Phase des derzeitigen Niedrigzinses, Geld renditebringend anzulegen und zur gleichen Zeit den Kunden, der gerade knapp bei Kasse ist, bei der Stange zu halten. Dieses Darlehen muss als Vorschuss der Versicherungsleistung verstanden werden. Meist entspricht es dem (häufig sehr niedrigen) Rückkaufswert der Police. Der Vorteil für den Versicherungsnehmer ist in diesem Fall, dass der Todesfallschutz nicht wegfällt. Trotzdem sollte ein solcher Kredit immer nur als kurzfristige Anleihe verstanden werden. Auch der Versicherer will verdienen und das tut er im Rahmen der Zinszahlungen auf das Darlehen.
  • Eine weitere Option ist die Beitragssenkung. Dementsprechend muss der Versicherungsnehmer kalkulieren, dass weniger Beitragsleistung damit einhergeht am Ende auch weniger ausgezahlt zu bekommen, wobei ein gewisser Mindestbeitrag nicht unterschritten werden darf. Über diesen Mindestbetrag sollte der Versicherer aufklären. Abhängig von der Versicherung gibt es Regelungen, wie Beiträge wieder auf das alte Niveau gesetzt werden können ohne dies aussehen zu lassen wie ein Neuabschluss. Vor allem bei Verträgen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sollten Interessenten hinterfragen, ob sich steuerliche Nachteile ergeben. Des Weiteren sollte man sich erkundigen, ob und wenn wie hoch die Abschlusskosten ausfallen würden.
  • Überschüsse zu verrechnen ist eine Variante. In diesem Fall werden die dem Versicherungsvertrag bereits zuerkannten Überschüsse mit den Beitragszahlungen verrechnet. An dieser Stelle geht aber nicht jeder Versicherer mit, vor allem lohnen sich derartige Lösungsmöglichkeiten nur, wenn in die Lebensversicherung bereits seit einigen Jahren eingezahlt wird.
  • Beiträge lassen sich stunden. Das bedeutet, dass auf die zu zahlenden Beiträge ein halbes Jahr Aufschub gegeben wird. Manche Kunden nutzen diese Möglichkeit, wenn sie sich in einem finanziellen Engpass befinden. Für Personen, die arbeitslos geworden sind, kann ein Jahr Aufschub gewährt werden. Man muss sich allerdings der Tatsache bewusst sein, dass diese fehlenden Beiträge verzinst nachgezahlt werden müssen. Ob das zur Besserung der finanziellen Situation beiträgt, bleibt fraglich.

Welche Entscheidung man auch immer trifft, es sollte zuvor abgewogen werden, welche Auswirkungen die Entscheidung auf z.B. die Steuervorteile und den Todesfallschutz haben kann. Die Beitragsrendite ist stets ein guter Indikator, der zeigt, in welcher Höhe die Rendite auf gezahlte Beiträge ausfällt.

Nur auf den Sparanteil gibt es den Garantiezins. Der Sparanteil ergibt sich aus der Summe, die nach allen kostenanteiligen Abzügen für Verwaltung, Vertrieb und Todesfallschutz angelegt wurde. Dementsprechend fällt die Rendite niedriger aus als der eingezahlte Beitrag und ist abhängig von den vom Versicherer verursachten Kosten.

Die Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt – Wie funktioniert ein Verkauf?

Der Policen-Verkauf auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen stellt eine besondere Alternative dar, um die Kündigung einer Police zu vermeiden. Diese möchten wir gerne explizit erklären, da es einiges zu beachten gibt und man sich vor Betrügern schützen sollte. Die Seriosität des einen oder anderen Käufers sollte in diesem Fall unbedingt hinterfragt werden.

Der Verkauf einer Police auf dem Zweitmarkt findet an einen entsprechenden Aufkäufer statt. Leider muss man damit rechnen, dass sich besonders auf Zweitmärkten jede Menge Betrüger herumtreiben. Generell ist es jedoch so, dass Aufkäufer meist einen gering höheren Betrag als der Versicherer bieten –zumeist auch mit dem Versprechen von bis zu 5 % mehr.

Aber nicht alle Lebensversicherungen können auf einem solchen Zweitmarkt verkauft werden. Dazu zählen u.a. die Riester- und Rürup-Verträge sowie die betrieblichen Lebensversicherungen. Für Zweitmarktanbieter rentieren sich meist nur Verträge, die bereits mindestens fünf Jahre unter regelmäßiger Beitragszahlung liefen.

Dies beinhaltet, dass Provisionen der Versicherer bereits abgezahlt wurden. Ansonsten kann man davon ausgehen, dass es sich um unseriöse Aufkäufer handelt, da der Rückkaufswert einer solchen Police dann schlichtweg zu gering ist. All diese genannten Einschränkungen sorgen dafür, dass es noch kein gängiges Geschäft ist auf dem Zweitmarkt eine Police zu verkaufen.

Kriterien, die Einfluss haben auf die Höhe des Verkaufswertes einer Police:

  • Je besser die Anlage der Kundengelder durch den Versicherer vollzogen wurde, desto bereitwilliger zahlen Aufkäufer.
  • Zusatzbausteine wie eine Berufsunfähigkeitspolice, die nicht kündbar ist, mindern die Attraktivität und Wert der Versicherung.
  • Die Höhe des Risikobeitrages ist ebenso entscheidend. Denn der Verkäufer erhält weniger Ertrag, desto mehr Beitragsgelder in die Risikovorsorge einfließen.

Ein weiteres Problem, was die derzeitige Situation auf dem Zweitmarkt erschwert, ist die Tatsache, dass Aufkäufer bei den Reserven Unsicherheit zeigen. Diese sogenannten Bewertungsreserven ergeben sich aus dem höher liegenden Börsenwert von Wertpapieren, als die Anleihen und Aktien vom Versicherer im Buch geführt werden.

Aufgrund des Niedrigzinses, aber der vergleichsweise guten wirtschaftlichen Situation Deutschlands, ist der Handelsverkehr auf dem Zweitmarkt derzeit etwas eingeschränkt. Zu den aktuellen Marktführern auf dem Zweitmarkt gehören nach eigenen Angaben als wichtigste Aufkäufer im Branchenverzeichnis der BVZL die Frankfurter PolicenDirekt, Cash.Life und LifeBond. Im Folgenden finden Sie die wesentlichen Daten zu den derzeitigen Zweitmarktführern.

Vorsicht vor Betrügern!

Guter Rat ist teuer und diesen wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Unseriöse Anbieter haben ihr ganz eigenes Geschäftsmodell. Die Policen werden gekauft, anschließend storniert und dann stecken sie die Gelder in ihre eigene Tasche. Die Verkäufer werden mit Ratenzahlungen abgespeist und für längere Zeit vertröstet.

Diese Raten wiederum kommen aber nicht aus der verkauften Police, sondern vielmehr aus lukrativeren Kapitalanlagen, so zumindest deren Behauptung. Häufig steckt dahinter allerdings ein riesiges Schneeballsystem, das eigentliche Geld, welches aus dem Verkauf der Policen hervorging, verschwindet in nicht auffindbaren Löchern und die Verkäufer der Policen erhalten ihre Raten aus wiederum anderen stornierten Policen neuer Verkäufer.

Einigen dieser Betrüger ist die BaFin inzwischen auf die Spur gekommen, darunter Global Financial Invest, die HLO Consulting Group und ganz brandaktuell Novo Ass.

Achten Sie also immer darauf, dass Aufkäufer Ihrer Versicherung auf dem Zweitmarkt dem Branchenverband BVZL angeschlossen sind und dementsprechend alle Vorgaben einhalten.

Alternativen zur Kündigung einer Police

Fazit

Es gibt immer wieder Gründe, weshalb Versicherungsnehmer Ihre bestehenden Verträge vorzeitig auflösen, die Lebensversicherung kündigen wollen oder müssen. Bei der Entscheidung, Kündigung oder nicht, müssen jedoch verschiedene Faktoren berücksichtigt werden.

  • Ein Verkauf der Lebensversicherungs-Police auf dem Zweitmarkt erhält zusätzliche Absicherungen wie Berufsunfähigkeitsabsicherung und Hinterbliebenenabsicherung.
  • Verträge mit Abschlussdatum vor dem 1. Januar 2005 sollten in Bezug auf das Steuerprivileg grundsätzlich nicht gekündigt werden. Beitragsfreistellung ist die sinnvollere Lösung.
  • Eine falsche Widerrufsbelehrung führt zu einer höheren Rückzahlung als eine Kündigung.
  • Die Bewertungsreserven spielen bei der Gegenüberstellung Rückkaufswert vs. Ablaufleistung eine wichtige Rolle.
  • Eine Kündigung der Lebensversicherung sollte erst erfolgen, nachdem Sie sich über alle wichtigen Daten informiert und eine Kalkulation in Bezug auf Rentabilität des Rückkaufes angestellt haben.

Rechtliche Grundlagen:

Wer gerne selbst nachlesen möchte, um die Beurteilung der Bewertungsreserven durch die Versicherer und den Gesetzgeber genauer zu verstehen, der wird hier fündig: